{"id":1245,"date":"2014-08-13T23:16:52","date_gmt":"2014-08-13T21:16:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=1245"},"modified":"2014-08-13T23:28:02","modified_gmt":"2014-08-13T21:28:02","slug":"bordalltag-und-ankunft-in-porto-santo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=1245","title":{"rendered":"Bordalltag und Ankunft in Porto Santo"},"content":{"rendered":"<p>Der Bordalltag wird unterbrochen von vielen witzigen Begebenheiten. Fr\u00fchst\u00fccksbrot, zur Sicherheit an der Sp\u00fcle geschmiert und belegt, verl\u00e4sst im Cockpit bei der ersten Welle den Teller und fliegt Richtung Walter. K\u00e4sescheibe klebt an ihm und das Butterbrot, mit der schmierten Seite nach unten, auf dem Teakdeck. Gibt sch\u00f6ne Fettflecken, bei allen Beteiligten. \u00dcberhaupt sieht man auf dem Cockpittisch und darunter, was es in den letzten Tagen zum Essen gegeben hat. Sch\u00f6ner Kringel vom Spaghetti mit Pesto, Flecken vom Wegflugsalatdressing usw. T\u00e4gliche Beweglichkeits\u00fcbung ist die Morgentoilette im Bad: Knapp zwei Liter warmes Wasser ins Becken, mehr w\u00fcrde dr\u00fcber schwappen. Vier Einmalwaschlappen aus dem Badschrank, einh\u00e4ndig, weil die andere Hand ben\u00f6tigt wird, den Restinhalt des Badschranks vor dem Abflug zu retten. Komplett ausziehen. Zwei Waschlappen nass machen und mit Duschgel durchtr\u00e4nken, von oben nach unten arbeiten und ab dem \u00c4quator den zweiten Seifenlappen nehmen. Nicht, unter gar keinen Umst\u00e4nden die Lappen im Wasser auswaschen, da das klare Wasser sonst unbrauchbar wird. Seifig und dreckig wegschmei\u00dfen. Unglaublich, wie dreckig die Luft selbst hier drau\u00dfen ist. Jetzt selbe Prozedur mit den nassen Lappen ohne Seife um die Seife vom K\u00f6rper zu kriegen, hier darf zwischendurch ausgewaschen werden. Das alles mit einer Hand, da die andere zum Halten ben\u00f6tigt wird. Ganz toll ist Haare waschen mit dem Kopf im Waschbecken und dem Duschschlauch in der Hand. Geht nur im kleinen Bad vorne mit geschlossener T\u00fcre. Hintern an der T\u00fcre, linkes Knie an der Toilette und rechtes Knie am Waschtischunterschrank, so verkeilt den Kopf \u00fcbers Waschbecken. Das geht nat\u00fcrlich nicht ohne m\u00e4chtige Spritzerei und Druckstellen an den beteiligten K\u00f6rperteilen. F\u00fcr das Komplettprogramm ist schon eine Stunde zu kalkulieren.<br \/>\nEssenszuereitung: Im Hafen vorkochen. Gekochte Nudeln halten sich gut im K\u00fchlschrank. Pastasauce auch. Gestern musste frisch gekocht werden: Kartoffelgratin und Schw\u00e4bisch H\u00e4llisches aus der Dose. Kartoffeln aus dem Vorschiff kramen, in der Plastikwanne ins Cockpit reichen, am Cockpittisch sitzend (da so 2 H\u00e4nde frei) sch\u00e4len, unten kurz abwaschen und oben mit dem Gurkenhobel in feinste Scheiben hobeln und in die Glasform schichten. Gew\u00fcrze und Sahne dr\u00fcber und in den Backofen. Der Backofen nervt uns schon l\u00e4ngere Zeit, weil er immer ausgeht. Beim Backen l\u00e4uft das so, dass sich Walter auf den Boden vor den Backofen setzt und die Sache \u00fcberwacht. Der Backofen geht immer mal wieder aus und es muss ab und zu die hei\u00dfe Auflaufform mit den feuerfesten Handschuhen wieder aus dem Ofen rausgenommen werden (wo stellt man das hei\u00dfe Teil jetzt ab?) da sonst der Backofen nicht wieder angemacht werden kann, die elektronische Z\u00fcndung geht n\u00e4mlich nicht. So sind wir beide voll in den Prozessen drin, ich mit den feuerfesten Handschuhen und Walter mit dem Stabfeuerzeug. Die einfachste \u00dcbung ist die Dose mit dem Fleisch aufzumachen, ins T\u00f6pfchen geben und auf der kleinen Gasflamme zu erw\u00e4rmen. Ich denke, der Backofen hat seine Lebensarbeitszeit bei uns am Bord erreicht und muss ausgetauscht werden. Ist ein franz\u00f6sisches Modell und f\u00fcr 5 Jahre alte Modelle gibt es keine Ersatzteile (Z\u00fcndsicherung) mehr. Das Backofenthema bereits steht in einem Bericht \u00fcbers Winterlager 2011\/2012 drin. Beteiligt ENO, Frankreich und Bukh, Bremen.<br \/>\nAuch das Absp\u00fclen ist eine Herausforderung bei Seegang. Schmutziges Geschirr muss abflugsicher abgestellt werden, gesp\u00fcltes ins Abtropfgitter und gleich abgetrocknet und verstaut werden. F\u00fcr das Geschirrsp\u00fclen geht das meiste Frischwasser drauf. Das muss halt sein. F\u00fcr 7 bis 10 Tage haben wir keinerlei Wasserprobleme, f\u00fcr l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume m\u00fcssen wir uns was \u00fcberlegen. Plastikteller, Pappbecher und Wegwerfbesteck sind m\u00fclltechnisch gesehen auch keine L\u00f6sung.<br \/>\nThema Plastikm\u00fcll: Unglaublich, wie viele PET-Flaschen, Plastikt\u00fcten, Styroporverpackungen im Atlantik schwimmen, haupts\u00e4chlich k\u00fcstennah, aber auch hier drau\u00dfen. Der Plastikt\u00fctenwahn in den Superm\u00e4rkten in Spanien und Portugal ist unglaublich. Die Kassiererin packt in unglaublicher Geschwindigkeit die Eink\u00e4ufe nebenbei in zig Plastikbeutel. Schwierig ihr zu erkl\u00e4ren, dass die Sachen alle uneinget\u00fctet in den Rucksack und die Einkaufstasche d\u00fcrfen. Wir haben mittlerweile bereits ein M\u00fcllt\u00fctenstauproblem.<br \/>\nDen Text habe ich unterwegs im Cockpit geschrieben und nun sind wir sicher im Hafen von Porto Santo angekommen. Leider l\u00e4uft zur Zeit irgendeine Regatta, sodass wir morgen schon wieder aus dem Hafen raus m\u00fcssen. Als Alternative k\u00f6nnen wir im Hafen ankern und ab Sonntag Abend wieder an die Anleger gehen. Walter hat entschieden, dass er das Beiboot nicht aufpumpen will und wir deshalb gleich morgen weiter nach Madeira segeln und dort einige Tage verbringen werden &#8211; solange es uns gef\u00e4llt. Wir kommen aber anschlie\u00dfend wieder nach Porto Santo zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bordalltag wird unterbrochen von vielen witzigen Begebenheiten. Fr\u00fchst\u00fccksbrot, zur Sicherheit an der Sp\u00fcle geschmiert und belegt, verl\u00e4sst im Cockpit bei der ersten Welle den Teller und fliegt Richtung Walter. 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