USA Rundreise 2019_37

Wir verlassen die Blue Ridge Mountains und fahren auf dem Blue Ridge Parkway Richtung Süden. Auf unserem Weg nach Asheville liegt der Höhenzug der Black Mountains mit dem Mount Mitchell. Dieser Berg ist die höchste Erhebung östlich des Mississippi Rivers und kann mit 6.684 feet aufwarten. Uns wundert es nicht mehr, dass auch der Mount Mitchel mit dem Auto bestiegen werden kann. Der Parkplatz ist 300 Fuß unterhalb der Aussichtsplattform. Also machbar. Obwohl nur 2.037 Meter hoch gelegen, ist die Aussichtsplattform von dicken feuchten Wolken eingehüllt. Vom Parkplatz aus geht ein Waldlehrpfad ab, den laufen wir. Auf einer knappen Meile lernt der Besucher, so er es denn will, viel über die Artenvielfalt und das hier gut erkennbare Waldsterben. Es wird genau aufgelistet, wer oder was für die hiesige Luftverschmutzung verantwortlich ist. Der Autoverkehr ist hier mit 55% dabei.
Asheville ist unser heutiger Übernachtungshalt. Die Stadt und die Bewohner sind zu Woodstock-Zeiten stehen geblieben. So viele Althippies auf einem Fleck, das kann man kaum glauben. Grau und hennarot sind die vorherrrschenden Farben, auf den Häuptern. In den Läden gibt es wallende bunte Gewänder, Pumphosen, Baumwolle-Sackkittel, gewobene Perlenkettchen, Jesuslatschen, Räucherstäbchen, Wasserpfeifen, handgemachte Seifen – das komplette Repertoire eben. Es riecht nach Moschus und Moder. Trotzdem oder gerade deswegen ist das Städtchen gut besucht. Immerhin kann es auch drei lokale Bierbrauereien und ein Weinhaus bieten. Im Pseudo-Naturkostladen suchen wir nach einem essbaren Brot und tatsächlich gibt es außer dem üblichen Toastbrot ein Baguette. Abendessen wäre gesichert. Auf veganes Chicken-Curry hatten wir absolut keinen Appetit. Wir waren uns auch nicht im Klaren darüber, wie die das Chicken vegan hinbekommen haben oder durch welches Ersatzprodukt es ersetzt wurde. Unsere Devise: Finger weg.

USA Rundreise 2019_36

Blue Ridge Mountains
Uns gefällt es hier in der Nähe von Banner Elk auf der Ostseite der Apalachen.

Für drei Nächte hatten wir die Logde gebucht und wollten heute Vormittag bei der Verwaltung der Anlage um eine weitere Nacht verlängern, also insgesamt vier Nächte bleiben. Ja, die Lodge sei frei bestätigt die Verwaltung, aber Sie dürfe keine Reservierungen und Buchungen vornehmen. Das darf nur die Zentrale. Ich soll dort bitte anrufen und das direkt klären. Ich schau bei Booking.com nach, worüber ich die Lodge ursprünglich gebucht hatte, aber das Angebot ist weg. Also bitte ich die Verwaltungsdame für mich den Anruf zu tätigen und die weitere Nacht zu buchen. Es vergehen geschlagene 25 Minuten, bis wir a) die zuständige Stelle am Ohr und b) unser Anliegen darlegen können. Der Telefonhörer wechselt zu mir, damit ich mich identifizieren kann. Ja, die Buchung für drei Nächte sei im Computer und auch im Voraus bezahlt. Alles sei in Ordnung – das weiß ich ja, und das war auch nicht die Frage. Auf meine Bitte, eine weitere Nacht bleiben zu können, muss meine Gesprächspartnerin Rücksprache nehmen. Ja, die Lodge sei noch frei, aber die Mindestmietdauer sei zwei Nächte. Ich habe drei Nächte gebucht und bezahlt, wo ist hier das Problem mit der Mindestmietdauer? Vier statt drei Nächte ist im System nicht vorgesehen, also nicht möglich. Ein neuer Vertrag für zwei Nächte zu einem horrenden Preis soll geschlossen werden. Ich beschließe, dass ich denen in Gedanken den Vogel zeige und bedanke mich für das Angebot, das ich leider nicht annehmen kann. Die haben ein Rad ab. Die Hütte steht dann halt leer.
Wir fahren zu den Linville Falls. Hochgepriesene Wasserfälle, nicht weit von hier. Vom Parkplatz aus gibt es vier Trails zu den Wasserfällen. Zuerst machen wir die beiden als anstrengend ausgewiesen Trails links und danach die leichteren rechts vom Linville River. Die Trails sind nicht wirklich lang, insgesamt kommen etwa vier Meilen zusammen. Alle Trails führen zum Wasserfall beziehungsweise zur Schlucht hinter dem Wasserfall. Die Aussichtsplattformen auf den einfachen Trails sind schöner und besser in der Instandhaltung. Größere Nachfrage.

Linville Falls

Morgen fahren wir ein paar Meilen Richtung Süden und übernachten in Asheville.

USA Rundreise 2019_35

Blue Ridge Mountains

Vor sechs Wochen waren wir in Pigeon Forge und Gatlinburg im Great Smoky Mountains Nationalpark. Der Great Smoky Mountains Nationalpark liegt Luftlinie keine 100 Meilen von uns entfernt. Er ist durch den Blue Ridge Parkway mit den Blue Ridge Mountains und dem Shenandoah Nationalpark verbunden. Nachdem Pigeon Forge, im Bundesstaat Tennessee gelegen, eher ein Jahrmarkt und Rummel war, wollten wir den Apalachen eine weitere Chance geben. Der Mount Washington in den White Mountains, die ebenfalls ein Teil der Apalachen sind, hatte schon mal kräftig vorgelegt. Können die legendären Blue Ridge Mountains dies toppen?
Wir nähern uns den Mountains von North Carolina und nicht von Virginia aus. John Denver besingt in seinem Evergreen „Take me home Country Roads“ die Blue Ridge Mountains in Zusammenhang mit West Virginia. Der Shenandoah Nationalpark sowie der größte Teil der Blue Ridge Mountains liegen in Virginia. Egal, West Virginia kriegt ein paar hügelige Ausläufer ab, das passt schon. Der Rest der Blue Ridge Mountains liegt in North Carolina und da sind wir für die nächsten drei Tage. In Banner Elk haben wir eine ganz passable Lodge gefunden. Das entspannt den Tagesablauf kolossal. Am Anreisetag nutzen wir die Zeit bis zum Sonnenuntergang mit einer Sightseeing-Tour mit dem Auto.

Wir fahren zum Blue Ridge Parkway hoch. Es gibt nur einige wenige Zugangsstraßen zum Parkway, eine davon gleich bei uns um die Ecke. Der Parkway ist, wie oben bereits erwähnt, eine Höhenstraße die sich über 469 Meilen (754 Kilometer) über die Apalachen zieht. Alle paar Meilen sind Aussichtsplattformen für die ultimativen Blue Mountains Views oder Parkplätze für Wanderer vorgesehen. Für den ersten Überblick war das schon ganz wichtig.

Am zweiten Tag schlafen wir erst mal wieder richtig gut aus. Keine Hetzerei zum Frühstück oder um das Auto aus dem Parkhaus zu befreien, wahlweise die Parkuhr ab 7 Uhr morgens mit Quarters füttern. Nein, das Auto wartet kostenlos vor der Lodge und das Frühstück wartet im Kühlschrank. Am späten Vormittag fahren wir in den Grandfather Mountain Nationalpark. Kostet 22 $ Eintritt pro Nase und die Höhenstraße bringt uns direkt auf den Parkplatz vor dem Grandfather Mountain Gipfel und an die Swinging Bridge. Diese Hängebrücke ist die Attraktion hier. Sie spannt sich über einen eine Meile tiefen Abgrund.

Hört sich spektakulärer an, als es ist. Die Amis sind lauffaul. Aus dem Auto raus, in den Aufzug rein, aussteigen und man steht quasi schon auf der richtigen Höhe um bequem zu Fuß über die Hängebrücke zu watscheln. Mit Flip-Flops an den Füßen, unter vielen „Oh-my-gods“ geht es über die Brücke und wieder zurück um sich danach im angegliederten Shop mit braunem Zuckerwasser zu stärken. Gehzeit keine 15 Minuten. Ist jetzt nicht so unser Ding, aber wenn die Logistik eh schon da ist… Wir bauen dafür unser Nachmittags Programm etwas aus und laufen zwei kürzere Trails.

Wildlife am Wegesrand

Und besuchen die heimische Tierwelt im Freigehege des Nationalparks.

USA Rundreise 2019_34

Winston-Salem in North Carolina
In the middle of nowhere… dachten wir zumindest. Auf dem Weg in die Blue Ridge Mountains als Zwischenstopp ausgewählt, entpuppt sich das Städtchen als sehr lebendig.

Winston-Salem

In Downtown sind ganze Straßenzüge gesperrt, weil irgendwo an einer T-Kreuzung eine Bühne aufgebaut wurde. Hunderte ziehen mit Klappstühlen behängt in Richtung der Bühne. Ab 19 Uhr geht die Post ab. Donna Summer, Whitney Houston und Tina Turner lassen grüßen. Stimmgewaltige Sängerinnen mit Chorunterstützung legen los, dass es eine Freude ist.


Eigentlich sind wir nur zum Übernachten und Abendessen hier, aber schon allein dieses pulsierende Leben auf den Straßen ist es wert. Ganz zu Schweigen von der Qualität des Abendessens. Nachdem ich durchweg am Ablästern ob der Qualität der dargebotenen Speisen bin, muss ich heute zurück rudern. Wir hatten einen ausgezeichneten Tuna und ein Sirloin Steak zum akzeptablen Preis. Stoffservietten, feines Porzellan und richtiges Besteck sowie echte Gläser für den Wein. Das ist nicht oft der Fall. In den letzten fünf Monate ist dieses Abendessen im Ranking ganz weit oben. Geht doch!

USA Rundreise 2010_33

Chesapeake Bay
Deltaville, Hampton und Norfolk/Virginia
Auf unserem Weg von Annapolis/Maryland nach Hampton/Virginia machen wir einen Halt in Deltaville. Die Fishing Bay Marina interessiert uns. Viele deutsche Segler ziehen sich während der Hurrikan Saison hierhin zurück. Wir hören Gutes über die Einlagerung und den Preis und auch Schlechtes über die Qualität der dort ausgeführten Arbeiten. Wir wollen uns selbst ein Bild von der Marina und dem Gelände für die Langzeiteinlagerung machen. Der Boatyard macht einen sehr sauberen Eindruck, nicht besser oder schlechter als Peakes/Chaguaramas in Trinidad und Tobago oder Curacao Marine in Willemstad/Curacao. Besser als in Cartagena/Kolumbien und Puerto Lindo/Panama auf alle Fälle. Wir sprechen mit dem Marina Office und auch mit dem Manager des angegliederten Boatyards. Unser Eindruck ist positiv. Wenn wir im nächsten Jahr das Antifouling wieder selbst auftragen und sonst nichts anfällt, dann ist das eine Alternative auch für uns.
In Hampton angekommen freuen wir uns über unser Hotelzimmer im 6. Stock, sehr sauber und geräumig mit verglastem dreieckigen Erker und direktem Blick auf die unter uns in der Hampton Marina festgemachten Segelyachten. Hat einfach Flair, so ein Seglerhafen. Das Hotel-Restaurant wird derzeit renoviert, deshalb gibt es am Abend Sushi beim japanisch-koreanischen Restaurant um die Ecke. Total gut und zudem bezahlbar.
Am zweiten Tag ziehen wir durch „Historic“ Hampton, fahren in den Ortsteil Phoebus rüber und machen eine ausgedehnte Strandwanderung.

Ein Lieblingsmotov

Leuchtfeuer beim Fort Monroe in Hampton/Virginia

Ein aufziehendes Gewitter treibt uns zurück und mit den ersten herunter prasselnden Regentropfen erreichen wir unser Auto. Zurück im Hotel ziehen wir uns zur ausgedehnten Siesta zurück. Das Gewitter tobt mächtig mit Sturmböen und viel Schlagregen. Am Abend treibt uns der Hunger aus dem Hotel. In Downtown Hampton gibt es einige Restaurants. Alle sind brechend voll. Teilweise runtergekühlt wie ein Kühlschrank, in manchen ist es unerträglich laut oder es sieht einfach nicht einladend aus. Im vierten anvisierten Restaurant bekommen wir die letzten zwei Plätze. Es ist ein Restaurant mit Fusion Küche. Europäische, asiatische und südamerikanische Küche gemixt, geschüttelt und gerührt. Wir haben es ohne Magen- und Darmrebellion überlebt. Der Japaner am Vortag war um Längen besser.
Am dritten Tag fahren wir rüber nach Norfolk/Virginia. Hier hat die Navi den Hut auf.

USS Wisconsin in Norfolk

Flugzeugträger liegen auslaufbereit in der Chesapeake Bay, Großwerften warten und bauen Kriegsschiffe. Aber das interessiert uns gar nicht. Wir fahren ins NEON Viertel von Hampton. Hier leben die Kreativen. Da zieht es uns hin. In den Straßen gibt es kaum eine Wand, die nicht bemalt ist.

Wandmalerei in Norfolk
Five headless …..

Und hier ist auch das Chrysler Museum of Art mit dem angegliederten Glaskunst Atelier.

Glaskunst/Spieglung im Freien vor dem Chrysler Museum of Art in Norfolk

Im offenen Atelier ist es möglich, den Glaskünstlern bei der Arbeit zuzusehen.

Im Museum selbst ist eine ganze Etage der Glaskunst gewidmet. Ein besonderes Kunstwerk ist das Abendkleid aus Glas.

Glaskleid

Im oberen Stockwerk fühlen wir uns wie daheim, auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart. Hier und da steht das gleiche Kunstwerk von Alexander Calder. In Stuttgart halt ein paar Nummern größer.

Plastik von Alexander Calder im Chrysler Museum of Art

Ansonsten hängen hier auch die Klassiker der Modern Art, der Pop Art und der Contemporary Art. Die Warhols, Lichtensteins, Picassos u.a. müssen unvorstellbar produktiv gewesen sein, so viele Originale wie ich schon gesehen habe… Man kann es kaum glauben.

USA Rundreise 2019_32

Annapolis
Segler-Hotspot am Ende der Chesapeake Bay. Nicht mit dem Segelboot, sondern mit dem Mietwagen besuchen wir Annapolis. Es ist ein nettes Städtchen mit einem historischen Stadtkern. Einige Marinas bieten Liegeplätze und Bojenfelder an. Business as usual.
Hier essen wir zum ersten Mal die Spezialität von Maryland: Crabcake mit Lemon Mayonnaise. Die Crabcakes sehen aus wie Semmelknödel, bestehen aber hauptsächlich aus Krabbenfleisch, womit auch der hohe Preis begründet wird. Auf jeden Fall sehr sehr lecker, kommt fast an die Lobsterrolls aus Maine ran.
Ansonsten gibt es das übliche Convenience Food. Gefrorenes wird in die Fritteuse gegeben, Salat kommt servierfertig aus der Tüte und das Dressing dazu aus dem Plastik-Portionsbecherchen. Serviert wird, wenn man besonders Glück hat, auf Porzellan-Tellern und richtigem Besteck. Im Freien grundsätzlich auf Plastiktellern, mit Plastikbesteck und Plastikbechern, selbst für den Weißwein. So weit es möglich ist, versuchen wir uns dem zu entziehen. Es gibt durchaus die Möglichkeit hierzu, aber als Normalo kann oder will man sich die gehobene amerikanische Küche einfach nicht oft leisten.
Wir haben einen der wenigen Regentage unserer Rundreise. Im Hotelzimmer (eine bezahlbare Loft oder Appartement haben wir nicht gefunden) wollen wir nicht rumhängen, der Innenpool ist ekelig, also gehen wir auf Auto-Sightseeingtour und Einkaufen. Flächendeckend sind die Outlet Center zu finden. Mich wundert, dass es überhaupt noch reguläre Bekleidungsläden gibt. Dazu fahren wir über die Chesapeake Bay Bridge rüber ins zollfreie Delaware. Es ist unglaublich zu welchen Dumpingpreisen momentan die Sommerkleidung verhökert wird. Wir beschränken uns auf eine leichte Sommerhose und eine Bluse jeweils aus Leinen/Baumwolle. Hiernach mussten wir richtig suchen, selbst die hochpreisigen Modelabels bieten hier fast nur noch Mischgewebe mit viel Polyester an. Kannste nicht ändern, wenn die Nachfrage da ist….

USA Rundreise 2019_31

Washington
Philadelphia, benannt nach dem leckeren Streichkäse, oder war es umgekehrt? Auf jeden Fall bleibt Philadelphia so wie auch Baltimore rechts liegen. Wir ziehen gleich bis Washington durch. Hier wohnen wir in einem hippen Hotel mit Tiny Rooms im obersten Stockwerk. Das Zimmer ist höher als lang bzw. breit. Keine 12 qm Zimmer, einschließlich Dusche und WC. Das heißt, es besteht nur aus einem französischen Bett um das wir gerade so herumlaufen können, an der Wand Kleiderhaken und unterm Bett Stauboxen für die Klamotten. Über uns ist noch die Roof Top Bar. Lauter nette junge Menschen um uns herum, wir sind genau eine Generation älter. Das macht uns nichts aus, das Ambiente ist klasse, wir fühlen uns wohl und bemühen uns, nicht peinlich zu sein. (Liebe Grüße an unsere Kids). Das allerbeste ist, dass wir alles fußläufig erreichen können. Das Lincoln Memorial und somit die Mall, die durch die Parkanlagen bis zum Capitol führt, ist keine zehn Minuten weg.
Kurz hatten wir überlegt, die Kindertretroller aus dem Kofferraum zu holen und los zu rollern, aber wir ließen es sein. Die nervigen Elektroroller mit den verpeilten Touristen sind auch hier am Start; selbstverständlich nicht auf den Radwegen sondern auf dem Gehweg. Wir wollten nicht auch noch die Fußgänger aufschrecken. Dieses Fortbewegungsmittel hat an solchen Hotspots definitiv nichts verloren. Punkt.
Washington gefällt uns. Es ist heimelig, weil keine protzigen Hochhäuser rumstehen, sondern es eine gewachsene Stadt ist. Alt und Neu sind gut verzahnt.

Blick auf das Capitol

Am ersten Abend nehmen wir, letztendlich freiwillig, an einer Kundgebung am Lincoln Memorial Teil. Das hier ist ein sehr besonderer Ort, denn hier hat Martin Luther King jr. seine Rede „I have a dream“ gehalten. Die heutigen Redner rufen die Teilnehmer zu mehr Menschlichkeit auf. Es werden Gospels gesungen und zum Ende der Kundgebung ziehen die Menschen zum Band Aid Song „We are the World“ am reflecting pool entlang. Jeder hat entweder eine Taschenlampe oder ein leuchtendes Mobiltelefon in der Hand zum Zeichen, dass den Regierenden der Welt endlich ein Licht aufgehen soll.

Kundgebung „Stand up for humanity“ am Lincoln Memorial

In diesem Bezirk von Washington können wir ohne weiteres auch nachts unterwegs sein. Es ist sehr sicher hier. An jeder Ecke stehen Security oder Polizisten. Ausnahmsweise ist die totale Überwachung angenehm. Natürlich wollen wir auch das Weiße Haus sehen. Bei Nacht und mit Beleuchtung. Ist aber nicht möglich, weil die Zäune um den White House Park herum gerade erneut werden und stattdessen drei Meter hohe Bretterwände rumstehen. Total vernagelt halt. Dann gibts eben kein Foto.
Am zweiten Tag fahren wir nach Arlington rüber. Das liegt im Bundesstaat Virginia und ist nur durch den Potomac River von Washington D.C. getrennt. Luftlinie 2,3 Meilen vom Washington Monument entfernt. Hier ist das Pentagon und ein weiteres 9/11 Memorial. AA Flug 77 startete von Washington mit Ziel Los Angeles. Das Flugzeug wurde bald nach dem Start im Zuge der Terroranschläge am 11. September 2001 entführt und in das Pentagon gesteuert. Dabei starben alle 59 Menschen an Bord sowie 125 Pentagon-Mitarbeiter. Für diese Terroropfer wurde vor dem betroffenen Gebäudetrakt des Pentagons eine Gedenkstätte errichtet. Diese Gedenkstätte ist ebenso sehenswert wie das 9/11 Memorial in New York. 184 Skulpturen, für jedes Opfer eine, mit Namen und Geburtsjahr, wurden geschaffen. Beeindruckend und zugleich bedrückend.

Die 184 Gedenk-Skulpturen sind frei schwebende Bänke, unter denen sich jeweils ein Wasserbecken befindet. Dieses erzeugt durch das einfallende Licht die Spiegelungen auf der Unterseite der Skulpturen.

Nicht genug. Wir fahren weiter zum Arlington Cemetery. Hier sind Grabstätte von fast 300.000 Menschen. Überwiegend Kriegsgefallene aus den Sezessionskriegen, WW I und II, Koreakrieg und Vietnamkrieg, aber auch der ermordete 35. Präsident der Vereinigten Staaten, J.F. Kennedy mit Familie, der ermordete Senator Robert Kennedy sowie der jüngste Bruder Edward Kennedy sind hier beigesetzt.

Beim Anblick von tausenden Grabmälern von Gefallenen aus den letzten Kriegen sollte doch jedem ein Licht aufgehen.

Zurück in Washington D.C. stellen wir den Mietwagen wieder in die Tiefgarage und gehen zu Fuß in den Park, zu den Museen und zum Kapitol. Fotografieren ist angesagt.

Washington Monument

USA Rundreise 2019_30

New York 6. Tag

Wir reisen ab. Vieles konnten wir auf unserer Liste abhaken. Manches war ernüchternd, so zum Beispiel der Time Square oder dass das MoMA bis Oktober 2020 geschlossen hat. Ich befürchte, das MoMA bleibt unbesucht. Wir sind zwar in der nächsten Segelsaison nochmals an der US Ostküste, aber nach New York hoch kommen wir nicht. Anderes war überraschend und absolut lohnenswert besucht zu werden. Die High Line, hervorgegangen aus einer Bürgerinitiative, die sich gegen den Abriss wehrte und die Alternative Hochpark vorgestellt hat. Die üblichen Hotspots sind in der Ferienzeit unerträglich überfüllt. Am schlimmsten sind die Touristen, die mit dem Mobiltelefon vor der Nase und mit Pappbecher voller Kaffee in der freien Hand durch die Stadt irrlichtern.
Wenn New York, dann nicht im Juli oder August.
Unseren Plan nach Long Island raus zu fahren haben wir ebenfalls verworfen. Die Unterkünfte dort sind uns in der Ferienzeit schlichtweg zu teuer. Irgendwann ist Schluss mit lustig.

USA Rundreise 2019_29

New York 5. Tag
High Line Parkanlage in West Manhattan
Auf 2,3 Kilometer Länge entstand eine schmale Parkanlage auf der ehemaligen Hochbahnstrecke für Güterverkehr. Das letzte Teilstück wurde erst am 05.06.2019 fertig und endet im neuen Stadtviertel Hudson Yard.

Einstieg zum Highline Park im westlichen Manhattan

In West Manhattan und West Chelsea am Hudson River war ehemals das Hafenviertel wo die fleischverarbeitende Industrie ansässig war. Es heißt immer noch Meatpacking District. Hiervon ist jedoch nur noch wenig erhalten. Auf beiden Seiten der Parktrasse wurden die Gebäude restauriert und hochwertiger Wohn- und Geschäftsraum wurde geschaffen.

Viele Galerien sind hier zu finden. Im neuen Hudson Yard sind alle Modelabels mit Rang und Namen vertreten. Am Anfang der High Line, an der Gansevoort Street, ist das Whitney Museum of American Art, wo derzeit die Whitney Biennale stattfindet.
Am Ende der High Line steht ein riesiges glänzendes kupferfarbenes Kunstwerk. The Vessel, ein Aussichtsturm der nur aus Treppen und Plattformen besteht und erst im März 2019 eröffnet wurde. Ein neuer Besuchermagnet in New York.

Neu gestaltetes Viertel „Hudson Yard“ mit Treppenhaus ohne Haus im Vordergrund

Treppenhaus als Aussichtsplattform am Ende der Highline

USA Rundreise 2019_28

New York 4. Tag

Liberty Enlightening the World
So nannte der französische Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi die von ihm geschaffene Freiheitsstatue. Übersetzt heißt das, Freiheit erleuchtet die Welt. Ein frommer Wunsch. Es scheint, als seien die Menschen im Jahr 1886, als die Freiheitsstatue eingeweiht wurde, im Denken und mit ihrer Einstellung weiter gewesen, als einige unserer Mitbürger in Europa und Amerika heutzutage.

Viele Besucher haben den Wunsch die Freiheitsstatue auf Liberty Island und die Einwanderungsinsel Ellis Island zu besuchen. Auch wir reihen uns in die endlose Warteschlange im Battery Park ein. Es gibt nur eine Organisation die die Erlaubnis hat, auf Liberty Island und Ellis Island mit ihren Schiffen anzulegen. Diese Organisation vergibt auch die kostenlosen, jedoch limitierten Tagestickets um die Freiheitsstatue zu besteigen. Als wir am Ticketschalter ankommen, ist das Tages-Kontingent bereits aufgebraucht. Sehr schade. Die Freiheitsstatue hat innen ein Stahlgerüst von Gustave Eiffel sowie eine Wendeltreppe bis hoch zur Krone. Von dort muss die Aussicht über den Hudson River, den New Yorker Hafen und hinüber nach Manhattan, Brooklyn und Staaten Island grandios sein. Wir müssen uns damit begnügen um die Freiheitsstatue herum zu laufen und das Liberty Museum zu besuchen. Auch nicht uninteressant.

Der nächste Stopp ist auf der Einwanderer-Registrierungs-Insel Ellis Island. Dort hat eine Stiftung das Hauptgebäude renoviert und der Besucher kann im Immigration Museum die Einwanderungsprozedur stationsweise nach erleben. Alle Zeitdokumente sind vorhanden. Direkt auf Ellis Island wurden die Einwanderer registriert und medizinisch untersucht. Infektionskrankheiten wurden auf der Krankenstation behandelt. Die Menschen, die nicht direkt nach New York einreisen dürften, mussten bis zur endgültigen Einreiseerlaubnis auf Ellis Island bleiben und wurden von gemeinnützigen Organisationen betreut. So wurden zum Beispiel Menschen mit psychischen Erkrankungen zurück gewiesen. Die Redereien mussten diese Menschen kostenlos zum Ausgangshafen zurückführen. Zwischen 1892 und 1954 sind etwa 12 Millionen Einwanderer auf Ellis Island angekommen. Passagiere der ersten und zweiten Klasse, das heißt diejenigen mit Vermögen, Ruf und Ansehen kamen nicht über Ellis Island an, sondern direkt nach Manhattan. Fast jeder zweite Amerikaner hat Vorfahren, die über Ellis Island immigriert waren. Nach und nach wurden die Einwanderungsbestimmungen verschärft und die Welle ebbte ab.

Neues One World Hochhaus im World Trade Center

Am Abend fahren wir zum Time Square. Auf riesigen digitalen Werbeflächen wird alles beworben was nicht verboten ist. Kann man sich anschauen, muss aber nicht.

Time Square

Das Flatiron Gebäude, eine Ecke weiter, ist jedoch sehenswert.

Flatiron Gebäude